Geschichte der Fanfarenmusik

 Früher waren es Leute vom "Fahrenden Volk" die bis ins 15. Jahrhundert ihre Trompeten-Kunststücke der Öffentlichkeit vorstellten und so ihren Lebensunterhalt verdienten.
 Die damaligen Trompeten hatten keine Ventile, waren also reine Naturtontrompeten. Sie hatten eine Länge von bis zu drei Metern. Es wurden B, C, D und Es Trompeten hergestellt. Letztere war wegen ihres stark tönenden Signals am weitesten verbreitet.
 Versierte Trompeter waren bei Hofe und in den freien Reichstädten beschäftigt. 1623 fanden sie sich zu einer Reichszunft, der "Cammeradschaft der Feldtrompeter und Heerpauker" zusammen, die eine strenge und auf Disziplin bauende Ordnung hatte.
 Vom äußeren Erscheinungsbild unterschieden sich die Trompeter wesentlich von den anderen Musikern. An Ihren Instrumenten hingen wertvolle, mit Wappen geschmückte Wimpel. Die Uniformen waren farbenfroh bestickt und auf den Baretten wehten Straußenfedern. Sogar ein Schwert durfte getragen werden, womit sie den Offizieren in der Rangordnung gleichgestellt waren.
 Feldstücke und Signale wurden auswendig gespielt und durch vorblasen oder mündlich weitergegeben. Später folgte dann das Spielen nach Noten und die Einführung in die Clarinblastechnik.

 Als "Clarino" wurde die hohe Lage der Naturtontrompete bezeichnet, in der die Obertöne so eng zusammenliegen, dass man geschlossene Tonleitern spielen kann. Diese Spieltechnik war schon im 16. Jahrhundert besonders gefürchtet. Sie erreichte zwischen 1740 und 1770 eine Epoche, die als Höhepunkt dieser Kunst gilt.
 Ein Fanfarencorps wurde durch zwei, mit Naturfellen bespannte Kesselpauken ergänzt. Mit der Erfindung der Ventilinstrumente Ende des 18. Jahrhunderts und mit dem Zerfall des "heiligen Römischen Reiches Teutscher Nation" hob Friedrich Wilhelm III. 1810 in Preußen die Privilegien der Trompeterzunft auf.
 Reine Fanfarenzüge, wie sie heute auftreten, finden sich hauptsächlich im südwestdeutschen Raum. Sie wurden in Erinnerung dieser alten Tradition, oftmals aus Spielmannszügen der Vorkriegszeit gegründet. In vielen Fällen ließ man in Anlehnung an alte Dokumente und Zeichnungen originalgetreue Landsknechtuniformen herstellen. Da nur sehr wenige originale Musikstücke der Nachwelt erhalten sind, ist jeder Zug bestrebt, eigene Werke oder die anderer zeitgenössischer Komponisten zu spielen.
 Möge diese Einführung in die Geschichte der Fanfarenmusik unserer Jugend den Weg zur Erhaltung und Pflege dieses Brauchtums weisen.

 

Nach einem Vortrag von Thomas Nagel, Zugführer des historischen Fanfarenzuges der freiwilligen Feuerwehr Teningen, zur Vorstellung des Gewandes der Schwarzenberger Herolde am 25. April 1986.